Die großen Fragen des Lebens

Zu der Zeit, in der die Welt aus dem Blickwinkel eines laufenden Meters sehr groß und weit und voll aussah, dachte man vielleicht noch gar nicht so sehr über die Zukunft nach. Man bastelte sich Traumvorstellungen von dem, was man vielleicht gerne mal werden wollte (Feuerwehrmann oder Ballettänzer, Tierärztin oder Fußballerin) und die großen Fragen des Lebens bestanden ja auch eher aus „Was gibt es heute zu essen?“, „Warum ist der Himmel blau?“, „Wieso klang der Weihnachtsmann wie Onkel Steffen?“ oder „Werden die Gummibären irgendwann Herzog Igzorn besiegen?“.

Heute sind immerhin 63 Zentimeter dazugekommen und trotzdem hat die Welt nicht wirklich was an Größe, Weite und Fülle eingebüßt. Und heute scheint die große Frage des Lebens eine andere zu sein. Nein, nicht „Gibt es die wahre Liebe?“, auch nicht „Wie findet man das Glück?“ oder „Was wollte der Doctor am Ende von Doomsday seiner Rose sagen?“.

Nein, anscheinend wurde die bedeutendste aller Fragen von „Und was machst du nach deiner Bachelorarbeit?“ abgelöst.

Momentan lautet meine wohl eher nicht sehr gesellschaftskonforme Antwort darauf:“Unter einer Decke verkriechen und ein paar Tage die Welt nicht hereinlassen.“

Manchmal wünsche ich mir den Zustand der Kindheit zurück, als die größte Sorge das Verpassen der Lieblingsserie war. Oder aber der Weltuntergang, je nach Tageslaune. Es scheint, als würde man glauben, sobald man ein bestimmtes Alter oder Ziel erreicht hat, würde man sein Leben im Griff haben, würde wissen, was man eigentlich will, und was einen glücklich macht. Dann heißt es „Du bist alt genug.“ oder „Du bist doch schon erwachsen.“.

Ja tut mir Leid, aber wenn beim Erreichen des Erwachsenenalters das Handbuch „Wie man sein Leben meistert“ ausgeteilt wurde, dann habe ich währenddessen wohl entweder verheult auf der Toilette gesessen, meine Nase in einem Buch gehabt oder verträumt auf der Wiese gelegen und die Wolken beobachtet.

Ich sehe oft genug Menschen, die genauso alt wie ich oder jünger sind und ihr Leben wunderbar in den Griff bekommen. Die Erfolg haben, Glück, Geld. Ich habe Serien, Gefühle für viel zu viele fiktive Charaktere, den Kopf voller Ideen für Bilder, die ich doch eh nie schaffe umzusetzen, und mein Kopf würde sich lieber darauf konzentrieren, welche Farben am besten zu einer Zeichnung passen oder wie ich ein Plakat zu einem bestimmten Thema gestalten könnte, als immer wieder wie eine hängende Schallplatte die „Was kommt danach? Wie wird das mit dem Geld? Und den Versicherungen? Und wie sollst du das bezahlen?“-Fragen abzuspielen. Denn ja, ich bin unsicher. Ich mag es nicht, etwas nicht zu wissen, etwas nicht zu sehen, nicht zu erkennen und nicht planen zu können. Das macht mir Angst. Und so macht mir die Zukunft Angst. Die Zeit nach dem Bachelor ist für mich ein großes schwarzes Loch. Es gibt noch kein Licht, dass ich irgendwelche Umrisse erkennen könnte. Das Loch könnte eine warme, gemütliche Hobbithöhle sein. Oder aber das Maul eines riesigen Anglerfischs. Und ich bin Feigling genug, mich lieber zitternd unter einer Decke zu verstecken als den ersten Schritt zu wagen – das ich das weiß, macht es übrigens nicht wirklich viel einfacher, wie viele meinen.

Gleichzeitig versuche ich, mir davon nichts anmerken zu lassen. Zu lächeln, zu sagen dass es mir gut geht. Aber es geht mir nicht gut. Nicht sehr. Nicht momentan. Vielleicht ist es der Stress, vielleicht die Ungewissheit, vielleicht auch nur eine fehlgeleitete Synapse, die mein Gehirn mit den falschen Informationen versorgt.

Meist geht es, meist kann ich es unterdrücken oder beiseite schieben, und dann geht es mir für einen Moment wirklich ganz gut. Und dann kommt wieder von irgendwo diese große Frage des Studentenlebens.

Und eigentlich gibt es darauf auch nur eine einzige passende Antwort, die Antwort auf alles und jedes:

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3 thoughts on “Die großen Fragen des Lebens

  1. Ich hätte ja glattweg „Ickson“, „Ixorn“ oder so geschrieben 😀 Du hast bestimmt gegoogelt!!!

    Welcome to the club der kreativenund alternativen Akademiker, die vom Wirtschaftswahn der Welt in die Depressionshölle geschleudert werden 😀

    Ich mach doch meinen Master auch nur, weil ich nichts Anderes hab und kann x)

    • Erwischt 😛 Der Gute heißt mit Vornamen übrigens Siegmund, wie ich dadurch auch erfahren habe xD
      Ach duuuu… du bist toll und großartig und kannst vieles! ❤
      Nur ja, irgendwie hat man das Gefühl, man kann und möchte und mag das, was eher unter "unwichtig" verbucht wird… *schwenkt Clubfähnchen*

    • Na, ihr seid wenigstens noch im Club der „kreativen Akademiker“.. in welchem Club bin ich nach meinem Studium?
      Angst haben und in Ungewissheit leben kann aber auch positiv sein. Es kann auch sehr schön sein, nicht sein komplettes Leben durchgeplant zu haben, sondern Möglichkeiten zu haben, auch wenn man die nicht immer direkt sieht. Und Bunki – du versteck dich mal nicht hinter deinem Können! 🙂

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