Der Hobbit – Smaugs Einöde

the-hobbit-the-desolation-of-smaug-posterDer Hobbit – Smaugs Einöde (2013)

OT: The Hobbit: The Desolation of Smaug

NZ, USA, UK
161 Minuten
FSK 12

Regie: Peter Jackson
Drehbuch: Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson
Musik: Howard Shore

Darsteller:
Martin Freeman, Benedict Cumberbatch, Ian McKellen,
Richard Armitage, Orlando Bloom, Evangeline Lilly,
Lee Pace, Luke Evans, Aidan Turner, Stephen Fry  u. a.

Achtung: Der Artikel könnte Spoiler enthalten für die, die den Film noch nicht gesehen haben!

»Das Schlimmste liegt hinter uns, würde ich sagen.«

Wie unrecht Bilbo mit dieser Anmerkung gegen Ende von „Der Hobbit: Eine Unerwartete Reise“ hat, zeigt sich bereits zu Beginn des zweiten Teils der Verfilmung von Tolkiens Roman: Die Gefährten unter Thorin Eichenschild haben Azog und dessen Orks trotz der Rettung durch die Riesenadler nicht abschütteln können. Auf der Flucht begegnen sie Freunden, wie dem Hautwechsler Beorn, aber auch Feinden wie den Riesenspinnen im Düsterwald. Außerdem treffen sie auf nicht direkt feindselige, aber sehr misstrauische Elben, unter ihnen Thranduil, seines Zeichens König der Elben vom Düsterwald, dessen Sohn Legolas und der Anführerin der Elbenwache, Tauriel. Nach einer langen Flucht – größtenteils zu Wasser – gelangen die Zwerge und der Hobbit Bilbo Beutlin über die Seestadt Esgaroth endlich zum Einsamen Berg, dem Erebor. Doch mit dem Drachen Smaug stehen sie dort einer noch viel größeren Gefahr gegenüber, und das im wahrsten Sinne des Wortes. Währenddessen braut sich in der angeblich verlassenen Festung Dol Guldur ein Unheil zusammen, welches selbst den Zauberer Gandalf an seine Grenzen bringt…

Von einem Gegner zum nächsten: Der bleiche Ork Azog, wilde Wasserfahrten und gefräßige Spinnen machen es den Gefährt nicht leicht.

Von einer Gefahr zur nächsten: Der bleiche Ork Azog, wilde Wasserfahrten und gefräßige Riesenspinnen machen es den Gefährten nicht leicht.

Zuerst etwas zum Drumherum:
1. „Smaugs Einöde“ ist doch mal ein seltendämlicher Titel, oder? Der Originaltitel lautet „The Desolation of Smaug“ (kurz „DoS“), was man grob mit „Die Verwüstung des Smaug“ übersetzen kann. Für mich nimmt das im Grunde Bezug auf das Leid, was der Drache Smaug über Zwerge und Menschen brachte sowie die Verwüstung der Landschaft und Städte rund um Erebor im wortwörtlichen Sinne. Ich zerbreche mir ja immer noch ein wenig den Kopf, was die „Einöde“ da im deutschen Titel zu suchen hat, aber nun ja… 😉
2. Einer der Filme, auf die ich mit großer Spannung gewartet hatte. Eigentlich schon seit letztem Jahr, als ich den ersten Teil des Hobbits sah, aber vor allem, seit ich Anfang Dezember auf der Europapremiere von DoS war. Und ja, letztendlich war ich  nicht so begeistert von dem Film, wie ich erhofft hatte.

Gelungene Landschafstbeispiele: Die Seestadt Esgaroth und der Blick über den Düsterwald.

Beispiele für gelungene Landschaft: Die Seestadt Esgaroth und der Blick über den Düsterwald.

Der gesamte Film wirkte, obwohl mit 160 Minuten nun nicht wirklich kurz, gehetzt und mit Actioneinlagen so zugehauen, dass man kaum zur Ruhe kam. Dem ersten Hobbit-Film wurde das ebenfalls nachgesagt, aber dort merkte ich es nicht so stark wie hier. Besonders die Wildwasserbahnflucht und das Versteckspiel der Zwerge mit Smaug waren mir etwas zu lang gezogen. Die Geschichte war dieses Mal so vollgestopft mit Action, dass Charakterentwicklungen für mich etwas zu kurz kamen. Auch war ich dieses Mal enttäuscht, dass viele Kamerafahren über/an/durch Landschaften oder Bauwerke sehr nach CGI aussahen, vor allem die Festung Dol Guldur.

Im ersten Teil fiel mir das entweder kaum auf oder da waren die Effekte besser, jedenfalls fühlte ich mich hier teilweise sehr stark an Computerspiele erinnert

Ebenfalls etwas schade fand ich den doch relativ kurzen Leinwandauftritt von Beorn. Ich mochte den Bärenmenschen im Buch sehr, und ihn jetzt nur eher nebenbei und vor allem so abgeändert (im Buch war Beorn meines Wissens nach sehr gastfreundlich, hier eher misstrauisch und half den Zwergen nur wegen des gemeinsamen Feindes) zu sehen fand ich schon traurig. Dafür freute ich mich sehr über die Riesenhummeln! :3

Die Elben: Tauriel, Legolas und Thranduil

Die Elben: Tauriel, Legolas und Thranduil

Schon im Vorfeld gab es große Diskussionen in Fankrisen um die Figur der Tauriel, die für den Film komplett erfunden wurde. Mich störte diese Änderung aber jetzt nicht großartig, immerhin ist es schön, zwischen den ganzen Herren mal eine Dame herumwirbeln zu sehen, die auch ziemlich gut austeilen kann – wobei die Liebesgeschichte zwischen ihr und Kili schon wieder etwas gezwungen wirkte (Frei nach dem Motto: „Hey, in der Ring-Trilogie gab’s die Liebe von Aragorn und Arwen, wir brauchen hier ebenfalls wieder eine Liebesgeschichte!!!einself!!“).

Über Legolas‘ „Rückkehr“ freute ich mich, mochte ich ihn doch in der Ring-Trilogie sehr. Auch wenn Legolas im „Hobbit“-Roman nicht auftaucht, so war es doch für mich nachvollziehbar, das der Sohn von Thranduil mit eingebracht wurde. Und allein die Szene, wo Legolas über ein Bild von Gloins Sohn Gimli, seinem späteren besten Freund, herzieht, war köstlich anzusehen.

Mit der Figur des Thranduil hingegen wurde ich nicht wirklich warm: Zum einen mag ich allein das Design der Figur wirklich sehr und im ersten Teil fand ich ihn noch interessant, aber hier… ein arroganter Elb, der seinen verletzten Stolz und seine Egozentrik über das Wohl der Welt stellt? Klar, gibt’s bestimmt auch, nicht alle Elben verhalten sich im Sinne von Ich-tanze-über-die-Wiese-ich-bin-eine-Blumenfee, aber irgendwie blieb mir der Charakter trotzdem noch etwas zu blass, zu langweilig. Da hatte ich mir mehr erhofft.

Thorin Eichenshil, seine Zwerge und Bilbo erreichen endlich Erebor - aber jemand fehlt!

Thorin Eichenschild, seine Zwerge und Bilbo erreichen endlich Erebor – aber jemand fehlt!

Eine weitere Abänderung zum Buch war die schwere Verletzung von Kili durch einen Morgul-Pfeil, die zwar passend ist, um zu zeigen, dass die Zwerge nun mal auch verletztlich sind, aber mir nicht so wirklich passte: Ich bin mir nämlich nicht sicher, ob der Buch-Thorin wirklich seinen verletzten Neffen zurückgelassen hätte, Zeitdruck hin oder her. Und da sich somit nun vier Zwerge in Esgaroth befinden und neun in Erebor, bin ich mal gespannt, wie das zur weiteren Handlung passt – im Buch wäre es jedenfalls so nicht gegangen.

Gut fand ich wiederum, dass die anderen Zwerge auch im Einzelnen wichtiger wurden, zumindest hatte ich das im ersten Teil noch nicht so wahrgenommen. Da gab es mit Doin einen, der sich im Verletzungen kümmerte; Balin, der sich mit den Schmiedeöfen auskannte; Bombur, das kämpfende Fass usw.

Apropos Fass: Sehr schade fand ich die Wildwasserfahrt mit den Fässern. Ergab es in den Büchern wenigstens noch halbwegs Sinn, dass verschlossene Holzfässer mit Zwergen darin den Fluss hinunterschwimmen konnten, so schüttelte ich den Kopf über die Darstellung der Szene im Film. Fässer ohne Deckel mit einem Zwerg darin – wie bitte schwimmen die Teile denn? Nun gut, dadurch konnte es mit Kampfszenen zwischen Zwergen und Orks verknüpft werden, aber ich fand es trotzdem ärgerlich.

03_Menschen

Bard und seine drei Kinder sowie der Bürgermeister von Esgaroth und Alfrid, dessen Helfer.

Der Mensch Bard schmuggelt die Gruppe schließlich in die Seestadt Esgaroth, stellte sich aus Angst vor Smaugs Rache später aber sogar gegen die Zwerge. Bard ist im Film ein Kahnführer, der die alten Fässer der Elben am Flussufer aufsammelt und nach Esgaroth zurückbringt. Er lebt mit seinen drei Kindern in der Seestadt und sein Vorfahr Girion war der Herr der Stadt Thal, die der Drachen Smaug beim Angriff auf Erebor zerstörte. (Funfact: Die Töchter Bards werden dargestellt von Mary und Peggy Nesbitt – den Töchtern des Bofur-Darstellers James Nesbitt ^^) Wegen seiner Abstammung (Girion schaffte es in Thal nicht, Smaug mit schwarzen Pfeilen zu töten) schien Bard nicht sehr beliebt in Esgaroth, obwohl er sich anscheinend um die Menschen dort kümmerte.

Der Bürgermeister von Esgaroth und sein Helferlein Alfrid kamen mir persönlich viel zu kurz, vor allem von Stephen Fry als Bürgermeister hätte ich gerne mehr gesehen.

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Gandalf und Radagast stellen sich einer dunklen Bedrohung, während die Zwerge weiter Richtung Erebor marschieren.

Während also der Weg der Zwerge durch den Düsterwald über Esgaroth nach Erebor geht, untersuchen Gandalf und Radagast leere Felsengrüfte, in denen aus der Ring-Trilogie gut bekannte Bösewichte gefangen saßen: Die Nazgûl. Aber trotz des Wissens, dass nur EINER die Nazgûl befreit haben konnte, begibt sich Gandalf allein nach Dol Guldur und lässt Radagast am Eingang der Festung zurück. Gut, jemand muss ja zur Hilfe eilen können 😉

Nach ein wenig Versteckspielen mit Azog und seinen Orks trifft Gandalf dann letztendlich auf den Nekromanten, der im ersten Film nur sehr kurz als Silhouette zu sehen war. Und da es sich der Zuschauer ja nicht denken kann, wird nochmal explizit von Gandalf erwähnt, dass es sich bei dem angeblichen Nekromanten in Wirklichkeit um Sauron, dem Oberbösewicht von Mittelerde, handelt. (Entschuldigung. Das mag vielleicht böse klingen, aber ich fand es doch ein wenig lachhaft, mit welcher Dramatik Saurons Identität enthüllt wurde.) Sehr gut fand ich wiederum die Darstellung von Saurons Silhouette in einem „Feuerball“ – so wurde auf das feurige Auge Saurons, welches über dem dunklen Turm in Mordor während der Ring-Trilogie schwebte, Bezug genommen (wobei die schwarze Pupille durch Saurons Silhouette gebildet wurde).

Auf die Begegnung mit Smaug hätte Bilbo wohl auch gut und gerne verzichten können... ;)

Auf die Begegnung mit Smaug hätte Bilbo wohl auch gut und gerne verzichten können… 😉

Und der namensgebende Hobbit? Der unfreiwillige Meisterdieb Bilbo Beutlin wuchs bereits im ersten Hobbit-Film über sich hinaus und diese Entwicklung geht auch im zweiten Teil weiter. Allerdings nicht nur zum Positiven: Als Bilbo beispielsweise eine Riesenspinne niedermetzelt, um den Einen Ring zu beschützen, kommt für einen Moment die Besessenheit des Hobbits nach dem Ring durch. Was Bilbo letztendlich selbst merkt und voller Grauen sein „Werk“ betrachtet. Im Palast Thranduils dagegen kann er durch den Unsichtbarkeitszauber des Ringes der Gefangennahme der Elben entgehen und den Zwergen zur Flucht verhelfen. Und ist schließlich derjenige, der das Schlüsselloch zum Erebor entdeckt. Im Berg selbst schlägt dann seine größte Stunde, als der Hobbit dem Drachen Smaug gegenüber steht.

Getragen wurde der Film auf jeden Fall von tollen Landschaften (Neuseeland! ♥), der schönen Musik (Howard Shore kann’s einfach) und natürlich den großartigen Darstellern. Würde ich zu jedem etwas schreiben, würde der Text hier noch viel länger werden, daher beschränke ich mich auf Martin Freeman als Bilbo und die Darstellung des Drachen Smaug. Martin Freeman hat die großartige Fähigkeit, allein durch seine Mimik unglaublich viel auszudrücken. Die Szene, in der Bilbo klar wird, wie er die Spinne nur wegen des Ringes abgestochen hat, ist für mich eine der besten des Films, neben der Szene, in der Bilbo die Schatzkammer betritt und erst langsam die Größe des Drachen realisiert.

Und ja, der Drache… Großartig, was die Animatoren da geschaffen haben! War ich beim allerersten Trailer noch sehr enttäuscht von Smaug (zu lang und klobig erschien mir sein Kopf), im Film selbst gefiel mir der Drache außerordentlich gut. Genial war die Idee, seinen Brustkorb aufglühen zu lassen, kurz bevor er Feuer spie. Auch wie der riesige Feuerdrache mit dem kleinen Bilbo Katz und Maus spielte, Smaugs Bewegungen und seine Mimik waren toll. Im Original wird der Drache vom Briten Benedict Cumberbatch gesprochen, der außerdem das Motion Capturing bei der Echse übernahm (teilweise kann man sogar Cumberbatchs Gesichtszüge in Smaugs Gesicht erkennen, soweit das bei einem Drachen möglich ist 😉 ) und auch den Nekromanten/Sauron sprach, in der deutschen Fassung leiht Sascha Rotermund dem Drachen die Stimme und gibt eine sehr gute Leisung ab.

Alles in allem habe ich viel an dem Film auszusetzen, auch ohne ihn mit der Romanvorlage zu vergleichen. Andererseits habe ich mich gut unterhalten gefühlt und die Ausflüge nach Mittelerde gefallen mir immer noch sehr. Kameraarbeit, Darsteller, Musik – all das tröstet über die störenden Faktoren hinweg und verschafft einem so trotzdem einen schönen Film, den ich mir bestimmt noch mehrmals ansehen werde (allein, um die Originalfassung zu sehen, denn ehrlich, Cumberbatchs Drachenstimme ist wirklich beeindruckend!) und vielleicht stören mich irgendwann die vielen Kleinigkeiten doch nicht mehr so sehr 😉

7 von 10  | 7 von 10 Sternen

Juliane Bunk, Dezember 2013

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