Star Trek Into Darkness

star-trek-2-into-darkness-posterStar Trek Into Darkness (2013)

OT: Star Trek Into Darkness

USA
127 Minuten
FSK 12

Regie: J. J. Abrams
Drehbuch: Alex Kurtzman, Roberto Orci, Damon Lindelof
Musik: Michael Giacchino

Darsteller:
Chris Pine, Zachary Quinto, Benedict Cumberbatch,
Simon Pegg, Zoë Saldaña, Karl Urban, Anton Yelchin,
John Cho, Alice Eve, Bruce Greenwood u. a.

 

»Nun, sollen wir beginnen?«

Vielleicht sollte ich als erstes anmerken, dass ich höchstens ein New-Trekkie bin. Heißt, ich kenne keine der Originalserien und –filme. Ich bin eher mit Star Wars aufgewachsen, und auch wenn ich natürlich die Charaktere von Kirk, Spock, Uhura, Scotty, Chekov und Sulu kannte, so bin ich keineswegs mit den Originalgeschichten oder vielen der Charakterbeziehungen vertraut.
Alle Treckies mögen mir daher verzeihen, wenn ich einiges anders auffasse und sehe 😉

001

»Sie denken, Ihre Welt wäre sicher. Das ist eine Illusion.«

Eigentlich sollte die Enterprise den Planeten Nibiru nur erforschen, doch als ein Vulkanausbruch die dort lebende, aber noch wenig entwickelte Zivilisation zu zerstören droht, greifen Captain Kirk und seine Crew ein. Es kommt zu einer schwerwiegenden Panne, weshalb Kirk sich entscheidet, eine der obersten Vorschriften der Sternenflotte zu verletzen, um seinen Freund, den Halbvulkanier Spock, zu retten. Zurück auf der Erde wird Kirk daraufhin degradiert und das Kommando über die Enterprise fällt wieder seinem väterlichen Freund Admiral Pike zu.
Währenddessen ereignet sich in London ein Bombenanschlag auf das Sternflottenarchiv, woraufhin im Hauptquartier der Sternenflotte eine Krisensitzung einberufen wird, an der auch Pike, Kirk und Spock teilnehmen. Der Drahtzieher des Anschlags, der ehemalige Sternflottenagent John Harrison, ist schnell identifiziert, doch bevor der Rat etwas unternehmen kann, greift Harrison das Hauptquartier mit Waffengewalt an.
Aufgrund dieser Ereignisse erhält Kirk das Kommando über die Enterprise zurück und macht sich mit seiner Crew auf, den auf einen anderen Planeten geflohenen Harrison festzunehmen.
Dabei müssen sie aber schnell feststellen, dass nicht alles so ist, wie es zu sein scheint …

002

»Habe ich jetzt Ihre Aufmerksamkeit?«

Irgendwann im letzten Jahr kam Star Trek von J. J. Abrams im deutschen Fernsehen und es war der erste StarTrek-Film, den ich je gesehen hatte. Und ich muss zugeben, beim ersten Anschauen des Films war ich etwas überfordert. Es kam mir so vor, als wollte zu viel in zu kurzer Zeit erzählt werden. Etwas, was ich auch beim zweiten Film Star Trek Into Darkness stellenweise so empfand. Das ist aber auch etwas, weshalb ich gerne bereit bin, so einen Film mehrmals anzuschauen.
An sich fand ich die Story gut und nachvollziehbar. Allerdings schein ich damit wohl eine regelrechte Ausnahme zu sein, wenn ich mir Rezensionen im Internet zu STID anschaue 😉
Wie ein rotes Band zog sich das Thema „Familie“ durch den Film – das kleine Mädchen in London, Harrison & Crew, Kirk & Crew. Aber auch die Frage nach Rache und wie bestimmte Taten gerechtfertigt werden wurde aufgegriffen, und stellenweise verschwammen die Grenzen zwischen Gut und Böse regelrecht. Weshalb ich die ganzen Kritiken an dieser Stelle nicht so wirklich verstehen kann, aber sei’s drum.
SPOILER ANFANG (zum Lesen bitte markieren)
Dass der von Benedict Cumberbatch dargestellte Bösewicht John Harrison in Wirklichkeit Khan ist, darüber wurde ja bereits im Vorfeld wahnsinnig viel spekuliert. Durch einen dumm platzierten Spoiler (nein, nicht durch den SpiegelOnline-Artikel, aber ähnlich) erfuhr ich davon schon vor Kinostart. Hier erwies es sich aber wohl als Glück, dass ich die alten Filme nicht kannte (wobei mir „Khan“ in Verbindung mit „Star Trek“ durchaus ein Begriff war).
SPOILER ENDE

003

»Bei der Sternenflotte geht es nicht um Rache.« – »Vielleicht sollte es das aber, Sir.«

Außer der Story gab es für mich noch viele weitere Pluspunkte an dem Film: Die Darsteller (allen voran Benedict Cumberbatch, doch dazu später mehr), die wunderbare Musik von Michael Giacchino (meine liebsten Stücke sind London Calling und das bisher unveröffentlichte Ode to Harrison), der Humor, die Kamera.
Mir ist außerdem aufgefallen, dass der Trailer einem ein etwas falsches Bild vermittelte, was Story und Storyverlauf angeht, aber das fand ich gerade sehr toll: Sich im Kino von der Handlung überraschen lassen und bereits aus dem Trailer bekannte Szenen an Stellen entdecken, an denen man sie nicht erwartet hätte. Das wünsche ich mir jetzt bitte öfter 🙂
Die Darsteller schienen besser in ihren Rollen zu sein als noch im ersten Teil. Sulu (John Cho) blieb immer noch etwas blass, hatte jetzt aber auch leider nicht so viel zu tun. Dafür freute ich mich umso mehr über „Pille“ (Karl Urban), Chekov (Anton Yelchin) und vor allem „Scotty“ (Simon Pegg). Chris Pine war ebenfalls sehr viel besser in seiner Rolle, und auch Zachary Quinto verlieh Spock dieses Mal mehr Tiefe.
SPOILER ANFANG
Der Auftritt von Alt-Spock (Leonard Nimoy) war zwar wieder sehr schön, aber wirkte für mich auch leider sehr nach deus ex machina und war eigentlich sogar unnötig – aber eben eine schöne Geste für alle, die die alten Filme und Serien lieben. 😉
SPOILER ENDE
Außerdem möchte ich auch meinen Senf zu Dr. Carol Marcus abgeben, die von vielen Rezensenten nur als „schmückendes Beiwerk ohne große Rolle“ bezeichnet wurde und vor allem wegen der Unterwäscheszene Grund für heftige Diskussionen lieferte. Zum einen muss ich sagen, dass ich sie keineswegs als unwichtig empfand.
SPOILER ANFANG
Ich sage nur Thema „Familie“. An ihr wurde gezeigt, dass Familie nicht unbedingt nur Blutsbande bedeutet. Es war sehr deutlich, dass sie sich gegen die Machenschaften ihre Vaters stellte und ihre Crew (und Freunde) für sie nachher wichtiger war als ihr Vater, sie war sogar bereit, gemeinsam mit allen anderen zu sterben.
SPOILER ENDE
Die Unterwäscheszene war meiner Meinung nach nicht wirklich nötig, aber ich empfand sie jetzt auch nicht als etwas, worüber man sich aufregen sollte. Carol wurde dadurch keineswegs heruntergeputzt, im Gegenteil, sie wies Kirk sogar noch zu Recht. (Und wer Kirk kennt, der wusste doch schon, dass er sich umdrehen wird, wenn sie sich umzieht, sowas lässt er sich doch nicht entgehen :D).
Ich fand generell die Frauenrollen dieses Mal ziemlich gut. Ja, manch einer mag bemängeln, dass es nur zwei weibliche wichtige Rollen gab, aber das ist immerhin mehr, als man von vielen anderen Filmen erwarten kann.
SPOILER ANFANG
Aber allein durch ihre Aktionen (Carols Bombenentschärfung sowie Widerstand gegen ihren Vater und Uhuras Mut, sich den Klingonen entgegenzustellen und zu verhandeln) waren sie für mich nahezu gleichgestellt mit den männlichen Rollen in dem Film. Und das ist selten genug.
SPOILER ENDE

004

»Ihre Commander haben ein Verbrechen begangen, das ich nicht verzeihen kann.«

Natürlich habe ich auch Kritik anzumerken: Zum einen betrifft das die Vorhersehbarkeit der Story an manchen Stellen.
SPOILER ANFANG
Wenn ein toter Tribble (ja, die Viecher kannte ich bereits :D) Khans Blut gespritzt bekommt, von dem wir bereits im Vorfeld erfahren haben, dass es heilende Kräfte besitzt, dann war mir schon bei Kirks Sterbeszene klar, wie die Crew versuchen wird, ihren Captain zu retten.
Oder die Tatsache, dass sich in den 72 Torpedos auf der Enterprise Khans Crew befindet – und dass Spock sie später alles herausholte, bevor der die aktivierten Torpedos auf die Vengeance beamte.
SPOILER ENDE
Aber gut, andere Filme sind da wesentlich vorhersehbarer, da wollen wir mal nicht so sein.
Ein anderer Punkt sind die Soundeffekte und die 3D-Bearbeitung. An manchen Stellen flogen einem ja fast die Ohren weg, vor allem Explosionen dröhnten teilweise schon unangenehm laut. Von meiner Familie weiß ich aber, dass es bei ihren Vorführungen in anderen Kinos nicht so war, weshalb es auch ein lokales Problem gewesen sein kann. Mit meinem mangelnden räumlichen Sehen habe ich von vornherein Probleme, 3D-Effekte zu sehen. Nur sehr starke (also beispielsweise Speere, die auf das Publikum zufliegen, oder herumschwebende Ascheteilchen) nehme ich wahr, den Rest meist nicht. Dafür sehe ich beispielsweise Schrift leicht doppelt (da mein Gehirn die Bilder von beiden Augen nicht richtig zusammensetzen kann) und bei schnellen Kamerafahrten oder starken Nahaufnahmen verschwimmt bei mir das Bild (teilweise) und das verursacht dann Kopfschmerzen. Aber auch hier kann es eine persönliche Empfindung sein.
Die Dialoge waren teilweise fast unfreiwillig komisch, aber bei synchronisierten Filmen bin ich bei sowas immer etwas vorsichtig, da ich nicht weiß, wie genau die Übersetzung an manchen Stellen war.

Ein weiterer Punkt, der allerdings nicht so sehr eine Kritik ist, sondern nur etwas, das mir aufgefallen ist, war die im Film dargestellte Brutalität. Möglicherweise störe ich mich da eher dran als andere, aber Harrisons „Kopfzerquetschattacke“, das aufeinander einprügeln und ein gewisses gebrochenes Bein schockierten mich doch sehr. Gut, ich bin keine Splatterfilmschauerin, vielleicht bin ich sowas auch nicht gewöhnt, aber es war etwas, was mir doch sehr unangenehm aufgefallen ist. Auch wenn ich sagen muss, dass es sehr sehr gut zu John Harrison gepasst hat.

005

»Ich bin besser.«  »In was?«  »In allem.«

Apropos John Harrison: Seit „Sherlock“ bin ich ein großer Fan von Benedict Cumberbatch und auch wenn ich wahrscheinlich den Film etwas durch die rosarote Fangirl-Brille betrachtet habe, so ist der britische Darsteller doch für mich der eigentliche Star des Films und spielt in vielen Szenen die anderen Schauspieler locker an die Wand. Cumberbatchs Darbietung des Terroristen Harrison, der sich ausgenutzt fühlt und von höher Gestellten erpresst wurde und der für seine Rache über Leichen geht – entschuldigt, „kalte Körper“ steigt 😉 –  ist einfach nur unglaublich. Da gibt es Szenen, in denen man allein durch seine Körpersprache das beängstigende Gefühl hat, er wisse mehr als alle anderen und sei seinen Gegnern mehrere Schritte voraus. Dann wieder Szenen, in denen er beinahe gutmütig erscheint, nur, um Sekunden später wieder der eiskalte brutale Killer zu werden (und damit meine ich richtig brutal). Ich muss zugeben, an einigen Stellen hatte ich wirklich Angst vor Harrison und wenn ich mir  daneben Sherlock Holmes aus „Sherlock“ oder eine andere Rolle Cumberbatchs vorstelle, dann ist es nahezu unnatürlich, wie extrem wandelbar der Brite ist. Und ich meine nicht nur äußerlich, allein Mimik und Gestik, Körperhaltung und Sprache – was Cumberbatch da kann ist fantastisch.
Wer seine wunderbar tiefe Originalstimme kennt, der wird vielleicht verstehen, wie skeptisch ich der deutschen Synchronisation gegenüber stand. Doch Sascha Rotermund (bereits Cumberbatchs Sprecher in „Gefährten“, außerdem Stammsprecher von Lee Pace und Jon Hamm) macht seine Sache sehr gut. Natürlich ist es ein schon fast undankbarer Job, Benedict Cumberbatch, der mit seiner markanten Stimme auch schon diverse Hörspiele und –bücher gesprochen hat (demnächst auch u.a. Smaug im zweiten Hobbit-Film), synchronisieren zu müssen. Und auch wenn ich beim Vergleich zwischen Originalstimme (im Trailer und in Filmausschnitten) und Synchronstimme sagen muss, dass Harrison im Original fast überheblich und amüsiert klingt, weil er jedem überlegen ist (und es auch weiß), und im Deutschen eher emotionslos und gelangweilt, so war die Wahl des Sprechers doch ganz gut. Benedict Cumberbatchs anderer Sprecher Tommy Morgenstern (bei Sherlock) wäre jedenfalls für diese Rolle wahrscheinlich zu hoch gewesen.

Alles in allem war ich von dem Film sehr angetan. Die Geschichte und die Bilder haben noch lange nachgewirkt und die Leistung von Benedict Cumberbatch war unglaublich. Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die DVD-Veröffentlichung.

8 von 10 | 8 von 10 Sternen

Juliane Bunk, Mai 2013

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