Gefährten


Gefährten (2011)

OT: War Horse

UK, USA
94 Minuten
FSK 6

Regie: Steven Spielberg
Drehbuch: Lee Hall, Richard Curtis
Musik: John Williams

Besetzung: Jeremy Irvine, Peter Mullan, Emily Watson, David Thewlis, Tom Hiddleston, Benedict Cumberbatch, David Kross u. a.

Meine erste Filmrezension! 😀
Gleich zu Beginn: Nein, ich kenne das Originalbuch von Michael Morpurgo nicht. Auch der Trailer hätte mich nicht unbedingt dazu bewegt, den Film sehen zu wollen. Ausschlaggebend waren eher positive Kritiken, Regie und Musik sowie einige der Darsteller (Benedict Cumberbatch, Tom Hiddleston und David Thewlis). Und ich wurde nicht enttäuscht. Aber der Reihe nach.

Gefährten erzählt die Geschichte eines Pferdes im Ersten Weltkrieg. Der Anfang des Films zeigt sehr schön die Zeit von der Geburt des wackligen Fohlens bis zum Verkauf als bockiger Einjähriger. Auf einer Auktion wird das Tier zum Gegenstand eines Wettbietens von Ted Narracot (Peter Mullan) und dessen Verpächter Lyons (David Thewlis), welches Ted zwar gewinnt, aber sich damit hoch verschuldet. Teds Frau Rosie ist von dem Kauf wenig angetan, da der Farmer Ted eigentlich ein Kaltblut zum Ackerpflügen als ein Reitpferd kaufen sollte. Nur Albert (Jeremy Irvine), Teds und Rosies Sohn, ist begeistert von Joey, wie er das Pferd kurzerhand tauft. Er kümmert sich um das Tier und bringt ihm allerlei Tricks bei, unter anderem auch, auf einen Eulenruf zu hören. Es gelingt den beiden sogar das Umpflügen des Ackers, aber wegen Geldprobleme muss Ted Joey bei Ausbruch des Ersten Weltkrieges an die britische Armee verkaufen. Albert ist untröstlich und schwört, Joey wiederzufinden und zurückzuholen, sobald er alt genug ist.
Währenddessen geht Joey vier Jahre lang durch viele Hände: britische Kavallerie, deutsche Armee des Kaisers, dann ein französisches Mädchen und ihr Großvater, wieder die deutsche Armee, dann wieder die Briten. Er ist einfach nur „ein Pferd“ und für die Kriegsmächte ist es vollkommen irrelevant, aus welchem Lager er nun stammt. So erlebt Joey viele Seiten des Krieges mit, als Kriegs-, Zug-, Packpferd, Fluchthelfer und sogar Freund.
Das Ende sei hier aber nicht verraten 😉

Was ich an dem Film sehr hervorheben möchte ist die Bildsprache. Die ist einfach nur großartig. Dazun möchte ich gerne näher auf zwei Szenen eingehen.
(Spoiler Anfang!)
Joeys erster neuer Besitzer ist Captain Nicholls (Tom Hiddlestone), der unter Major Jamie Stewart (Benedict Cumberbatch) in der britischen Kavallerie in Frankreich an der Front dient. Die Briten starten einen Überraschungsangriff auf ein deutsches Lager an einem Waldrand. Der Plan scheint auch zuerst aufzugehen und die Deutschen flüchten in den Wald, in dem sie aber Maschinengewehre zu stehen haben und damit nun auf die Reiter schießen. Und hier kommt eine – meiner Meinung nach – sehr geniale Kameraführung und Schnitttechnik zum Einsatz: Man sieht abwechselnd die schießenden Soldaten, dann wieder die herannahenden Reiter. Und Pferde, die in den Wald hineinlaufen und über die deutschen Soldaten hinwegspringen. Reiterlose Pferde. Man musste gar nicht erst sehen, wie die Briten abgeschossen wurden. Allein die unberittenen Pferde, die voller Panik in den Wald stürmen, sorgten schon für Gänsehaut.
Eine andere Szene setzt ein, als zwei junge deutsche desertierte Brüder (David Kross, Leonard Carow) erwischt wurden, die mit Joey und einem anderen Pferd geflohen waren und sich in einer Mühle versteckt hatten. Hier „lugt“ die Kamera sozusagen hinter der Mühle hervor. Man sieht die beiden Jungen im Scheinwerferlicht stehen sowie vier Soldaten, die auf sie anlegen. Dann kommt ein Mühlenflügel ins Bild, man hört Schüsse, der Mühlenflügel verschwindet und die Brüder liegen tot auf dem Boden. Wieder eine Szene, die nicht alles explizit zeigt, aber trotzdem vollkommen ausreicht.
(Spoiler Ende!).

Ein weiteres Highlight: Die Musik. Danke an John Williams für die tolle Untermalung! Egal ob ruhige, lustige, traurige, spannende oder tragische Moment, alle wurden wunderbar von der Musik getragen. Und dieses Mal hatte ich auch nicht das Gefühl, einer Abwandlung des „Harry Potter and the Philosopher’s Stone“ Soundtracks zu lauschen, wie es bei Star Wars 3 der Fall war … Lustigerweise erinnerte mich die Musik in den Szenen mit der Narracottschen Hausgans an eine Mischung aus „Peter und der Wolf“ sowie der „Weihnachtsgans Auguste“ 😀

Nicht zu vergessen in meiner Auflistung der gelungen Dinge: Die Darsteller. Natürlich in erster Linie die Hauptdarsteller wie Jeremy Irvine als Albert Narracott sowie Peter Mullan und Emily Watson als seine Eltern, die zusammen mit David Thewlis (Pächter Lyons) die erste Hälfte des Films getragen haben, aber auch die anderen Darsteller, die vielleicht nur für 15-30 Minuten zu sehen waren. Und es trotzdem schafften, ihren Figuren Charakter zu verleihen: Benedict Cumberbatch, Tom Hiddleston und Patrick Kennedy als britische Soldaten (im Übrigen alles britische Schauspieler), David Kross als deutscher Soldat, der nur seinen jüngeren Bruder (Leonard Carow) beschützen wollte und deshalb zum Fahnenflüchtigen wurde, Celine Buckens als das teilweise naive und verträumte Mädchen Emilie, Niels Arestrup als Emilies Großvater, der vom Krieg mehr als genug hat und all die anderen Darsteller.

Auch die Geschichte sollte nicht unerwähnt bleiben. Die Idee, eine von Menschen geschaffene Situation/Welt aus der Sicht eines Tieres darzustellen, ist nicht neu. Dafür aber wurde hier im Film sehr gut umgesetzt, wie Joey den ganzen Krieg wahrnimmt. Es gibt keine Wertung, welche Kriegspartei denn jetzt die Böse ist und wer die Guten sind. Auch keinerlei Aufklärung der politischen Situation. Stattdessen wird gezeigt, wie die Menschen mit dem Krieg umgehen – und vor allem, wie es den Pferden dabei geht. Wie viel die Tiere in diesem Krieg leisten mussten, als es noch sehr viel Kavallerie gab und nahezu jede Last von Pferdefuhrwerken transportiert wurde. Und wie viele Pferde ihr Leben ließen, nur damit die Menschen ihre „kleinen Gebietsstreitigkeiten“ austragen konnten. Womit einem die ganze Absurdität eines Krieges nochmal bewusst wird.

Allerdings kann ich nicht nur Lob an den Film verteilen, etwas Kritik gibt es auch.

Zum einen manche – in meinen Augen – eher unlogische bzw. sehr konstruierte Situationen. Ich meine, wenn zwei Soldaten auf Pferden desertieren und später in einer Mühle aufgegriffen werden, die in der Mühle stehenden Pferde aber nicht gefunden werden … die anderen Soldaten WUSSTEN doch, dass die beiden auf Pferden geflohen sind, warum haben sie denn nicht nach den Tieren gesucht? So gut waren Joey und Topthorn nun mal auch wieder nicht versteckt.

Und zum anderen die deutsche Synchronisation (hierbei kann ich nicht beurteilen, ob es im Englischen besser gelöst wurde). Man hatte keinen Unterschied zwischen britischen und deutschen Soldaten bzw. französischen Zivilisten. Keinen, außer Uniform und Kleidung. Die Sprache war von allen perfektes Deutsch. Und sowas irritiert. Noch nicht mal einen Akzent hatten die Personen. Gut, sowas lässt sich in Filmen, vor allem in ausländischen, deutsch synchronisiserten Filmen, in denen Deutsche auftauchen, schlecht realisieren. Hat mich trotzdem gestört.

Das sind aber nur zwei kleine negative Aspekte, trotz allem würde ich den Film jedem empfehlen. Und ich kann die negativen Kritiken, die von „Kitsch“ und „Gefühlsduselei“ sprechen, nicht nachvollziehen, denn meiner Meinung nach schafft es der Film sehr gut, nicht in die Kitschspalte abzurutschen. Trotz der Themen „Krieg“, „Pferde“ und „Freundschaft“. Und das allein ist auch schon eine Leistung 😉

8 von 10 | 8 von 10 Sternen

Juliane Bunk, März 2012

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One thought on “Gefährten

  1. Tolle Rezi, danke!
    Im Original sprechen die Deutschen übrigens teilweise deutsch bzw englisch mit Akzent und ich glaube bei den franzosen hört man auch den Akzent, da bin ich mir aber nicht ganz so sicher…

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